Besondere Begegnungen – von Kippen, Feuerzeugen und ehemaligen Taxifahrern

05. Januar 2024

Die vergangene Nacht war sehr windig und unser Womo wurde das ein oder andere Mal heftig durchgeschüttelt. Aber geschlafen haben wir alle 4 richtig gut. Geweckt werden wir von magischen Farben am Himmel und einem tollen Ausblick auf den Hafen und das davor liegende Castello di Mare.


Wegen genau dieses tollen Ausblicks entscheiden wir uns für einen Bialetti und leckere Cornetti an der Hafenmauer, bevor es erneut losgeht zu den Salinen. Die Sonne scheint, aber bei ca. 6 Windstärken ist es trotzdem recht kühl heute. Als wir an den Salinen eintreffen sind wir fast allein. Wir parken am gleichen Platz wie gestern und los geht ein weiterer Versuch, einen der Eisvögel etwas mehr aus der Nähe abzulichten. Aber außer dem Rauschen des Windes und Wellengeräuschen ist am heutigen Morgen hier nichts zu hören, was die Ortung dieser Vögel nicht gerade einfach gestaltet.

Die nette Damen am Eingang erkennt uns wieder und lädt uns heute ein, die Saline ohne Eintritt zu zahlen zu besuchen. Sie ist sehr nett und so fängt der Tag schon sehr schön an.
Der Grund aber, warum wir eigentlich hergekommen sind, hat es bei den heute herrschenden Windverhältnissen scheinbar so schwer, dass er nirgends zu entdecken ist. Hier und da hat es einen Wasservogel und ein paar Flamingos stehen recht nah des Eingangs. Aber das erhoffte Blau des Eisvogels auf dem Foto bleibt aus.

Wir sind bereits auf dem Weg zum Ausgang, als Ulli heute zum ersten Mal den typischen Ruf des Eisvogels vernimmt und da ist er dann auch. Gar nicht so weit weg, wie am gestrigen Tag. Wahrscheinlich ist das so, weil bei diesen Windverhältnissen nur an wenigen Stellen Schutz- und Jagdmöglichkeiten hat. Schließlich sitzt er wenige Meter vor uns und wir hoffen ihn beim Jagen fotografieren zu können, als 2 italienische Touristen wie selbstverständlich in die durch den WWF abgesperrte Zone laufen und so den blauen Vogel verjagen. Kurze Zeit später kommt dieser aber wieder zurück. Die beiden Männer dann leider auch. Als sie ihn dieses Mal verjagen, sind sie ganz glücklich einen Eisvogel gesehen zu haben und machen uns wild gestikulierend darauf aufmerksam. Als wir ihnen sagen, dass sie schon 2mal wenige Meter an dem Vogel vorbeigelaufen und ihn aufgescheucht haben und sie fragen, ob sie die WWF Verbotsschilder nicht lesen können, ziehen sie leicht verärgert weiter.

Also heißt es wieder warten. Ein Schwarm Seevögel fliegt im Starkwind in Formation über die Salinen, Flamingos kämpfen sich im Wind zu ruhigeren Nahrungsplätzen, nur vom Eisvogel ist nichts mehr zu sehen. Wir nehmen uns noch 20 Minuten Zeit und sind quasi schon am Gehen, als erneut der typische Ruf ertönt und der schöne blaue Vogel wieder vor uns sitzt. Dieses Mal noch etwas näher. Die Federn wuscheln im Wind und der hübsche Vogel scheint uns und unsere Kameras genauestens zu beobachten.

Glücklich über diese wunderbare Begegnung verlassen wir Trapani in Richtung San Vito lo Capo. Wir durchfahren eine der schönsten Küstenlandschaften Siziliens bevor wir am Ortseingang auf den Area Sosta da Giovanni auffahren, um dort einen Camperservice zu erledigen. Kurze Zeit später und mit frischem Olivenöl und Eiern ausgestattet geht es zum Parkplatz am Meer. Noch ist es wunderbar warm und vom starken Wind weiter im Süden ist kaum etwas zu merken. Wir parken in der letzten Lücke mit Strandblick ein und genießen erst einmal die Aussicht, bevor wir uns gegen 5 Uhr in Richtung Stadt begeben,

In der kommenden Nacht kommt die Befana, die Hexe, und bringt Süßes für die lieben und Kohle für die bösen Kinder. Meist ist an diesem Abend in den größeren Orten eine Veranstaltung zum Abschluss der Weihnachtszeit. Manchmal fliegen Hexen an Drahtseilen über die Menschenmenge. Hier sind es aber nur tanzende „Weihnachtsmänner“. Irgendwie niedlich. Zum letzten Mal funkelt die Weihnachtsbeleuchtung und es herrscht Leben in den Straßen und die Bars sind gut besucht.

In einer dieser Bars sitzen wir schon eine Weile als unser Nachbar zu seiner Partnerin meint: Genau so einen Shih Tzu hatte ich als Kind. Allie und Amadeo scheinen das zu verstehen und sitzen prompt unter deren Tisch. Es beginnt ein nettes Gespräch mit den beiden, die aus Rom kommen und ebenfalls mit Hund im Womo unterwegs sind. Als es zum Thema kommt, ob die beiden auch etwas deutsch sprechen, meint er ganz cool: „Hast Du ein Feuerzeug?“ und „Kann ich eine Kippe haben?“ Als wir fragen, warum er ausgerechnet diese Sätze kann, bekommen wir die Antwort: „Für mich als Raucher sind sie essentiell!“

Gegen 8 Uhr verabschieden wir uns von den beiden. Unser Fellnasenmädchen, das die ganze Zeit bei den beiden gesessen hat, geht dann doch mit uns mit und etwa auf der Hälfte des Rückwegs kehren wir noch in die Bar Pizzeria Ristorante „Blu Marine“ ein. Der Capo möchte gerne Englisch reden, worauf wir in Italienisch antworten, was ihm anscheinend missfällt.
Bedient werden wir dann von einem sehr netten Herrn und der Köchin des Hauses, die uns 2 wunderbare typisch sizilianische Pastagerichte zaubert: alla Norma und Trapanese. Beide äußerst lecker und auch das Schwätzchen gefällt uns sehr gut.

Wir verabschieden uns herzlich und sind noch nicht ganz zurück am Womo, als die ersten Tropfen fallen.
Der Sturm ist mittlerweile auch hier angekommen, aber das stört uns nicht. Wir kuscheln uns ein und der Regen trommelt uns in den Schlaf…

06. Januar 2024
Es hat fast die ganze Nacht geregnet. Überall hat es Pfützen, doch gegen 8 Uhr lugt die Sonne hinter dem imposanten Felsen San Vitos hervor. Die perfekte Zeit für unser Fellnasengassi. Da es weiterhin trocken zu bleiben scheint, entschließen wir uns für ein Frühstück in der Stadt. Wir sind keine 100 m vom Womo entfernt als aus der Ferne ein Donnern zu hören ist.
Noch scheint die Sonne, aber die Wolken sehen schon bedrohlich aus, was uns etwa 200 Meter vor unserer Frühstücksbar dazu veranlasst, umzukehren. Leider reicht uns die Zeit nicht ganz. Die letzten 50 m beginnt es zu regnen. Wir sind zwar naß geworden, aber was dann runterkommt, als wir bereits im Womo sitzen….gut, dass wir hier sind.
Der Bialetti ist schnell fertig und im Cornettiauftauen haben wir ja auch schon richtig Übung.

Den Tag verbringen wir mit Bilder bearbeiten, Text schreiben und Ausruhen, denn immer wieder schüttet es wie aus Kübeln. Gegen 15 Uhr kommt dann etwas die Sonne hervor und die Wolken lockern auf. So entschließen wir uns mit den Fellnasen in den kleinen Ort zu laufen. Wir kommen trocken in der gleichen Bar wie gestern an, setzen uns drinnen in eine Ecke und lassen uns einen Aperol Spritz schmecken. Ein junges Deutsches Paar setzt sich etwa eine halbe Stunde später an den Nachbartisch. Er würde auch ganz gerne etwas mehr mit uns reden, aber seiner Begleiterin scheint es nicht zu passen. Egal, der zweite Aperol schmeckt trotzdem. Wir checken erneut die Wettervorhersage, welche sagt, dass es noch etwa eine halbe Stunde trocken sein soll.
Doch der Blick aus dem Fenster sagt etwas Anderes: Es schüttet wie aus Eimern, Wasser läuft in Bächen über die Straße und unweit der Bar hat sich bereits ein kleiner See gebildet.
Und wie kommen wir jetzt zurück?
Als wir fragen, wie das Wetter denn heute Abend noch sein wird, erhalten wir die Antwort: Es bleibt so!
Das sind ja Aussichten und so fragt Ulli, ob es hier vielleicht ein Taxi gibt. Die Dame hinter der Theke meint nur: „Da sitzt unser Taxi!“ und zeigt auf den älteren Herrn, neben dem Ulli gerade steht. Er grinst und meint nur, dass er das mal gemacht hat, jetzt aber Rentner sei.
Kurze Zeit später sitzen wir bei ihm, er heißt übrigens Francesco, im Privatauto und er fährt uns bis zu unserer Womoeingangstüre. Und haben möchte er für die Fahrt auch nichts. Wie nett! Eine kleine Spende für den nächsten Barbesuch und ein Auguri und schon ist Francesco, den uns heute der Himmel geschickt hatte, wieder verschwunden. Wir wären alle 4 durch und durch nass gewesen und ohne Strom und Fön hätte sich da bestimmt der ein oder andere von uns erkältet.
Zufrieden und müde sitzen wir nach unseren selbstzubereiteten Pasta al Gorgonzola mit leckerem Fenchel-Paprika Salat im Womo und schreiben weiter für Euch. Fotos haben wir heute bei diesem schrecklichen Wetter kaum gemacht.
Wir studieren gerade den Wetterbericht, während unser Womo vom Wind durchgerüttelt wird und fette Tropfen auf unser Dach trommeln. Mal sehen, wo der Wettergott uns morgen hinschickt…


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